Nightfall in the Lot

Mit meinem jüngsten Modell »Nightfall in the Lot« kehre ich erneut zurück in die literarische Welt Stephen Kings, eines jener Autoren, die mich treu seit Jugendtagen begleiten. Die Arbeit bildet nach »Welcome to Derry« den zweiten Teil einer geplanten King-Trilogie und widmet sich einem seiner sehr frühen und, wie ich finde, atmosphärisch dichtesten Romane: »Brennen muss Salem / 'Salem's Lot (orig.)«.

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Bei der Vorlage handelt es sich um einen der wenigen bis heute hoch gehandelten Klassiker des Vampirgenres. Angelehnt an Bram Stokers berühmten Ur-Roman liegt ihm das Gedankenspiel zugrunde, was wohl passiert wäre, hätte ein gewisser Graf nicht im verstaubten viktorianischen England seine Zelte aufgeschlagen (bzw. seinen Antiquitätenladen eröffnet...), sondern im Herzen einer verschlafenen amerikanischen Kleinstadt - in Jerusalems Lot. Und so hält in besagter Stadt das Unheil Einzug, als eines Tages zwei Fremde das geheimnisumwitterte alte Marstenhaus auf dem Hügel über der Stadt beziehen.

Was mich an »Brennen muss Salem« auch nach so vielen Jahren noch bezaubert, sind seine melancholisch-herbstliche Stimmung und seine elegant gewobene fragmentarische Erzählperspektive. In beinahe lyrischer Bildsprache konstruiert King seine so simpel anmutende Geschichte über die schleichende Heimsuchung einer Stadt, anhand zahlreicher Einzelschicksale: Wir erleben den Untergang von Jerusalem's Lot aus den zahlreichen Blickwinkeln seiner Bewohner und erhalten gleichzeitig Einblick in die verborgenen Geheimnisse der Stadt. Vor dem Hintergrund des drohenden Verderbens zeichnet der Autor wie nebenbei das gnadenlose Portrait einer trügerischen Kleinstadtidylle voll verdeckter Gewalt, Korruption und Boshaftigkeit. Was am Ende bleibt, ist ein vielgesichtiger, in herbstlich-blutigen Farbschattierungen gemalter Abgesang auf eine Stadt, in der das Böse schon lange vor ihrer Heimsuchung präsent war.

Eben jene Vielseitigkeit der Erzählung sollte sich auch in meiner Umsetzung der Romanvorlage widerspiegeln. Und so nutzte ich ein Bauprinzip, mit dem ich schon zuvor geliebäugelt habe - das Prinzip einer drehbaren Welt. So ist mein Jerusalem's Lot nun auf eine rotierende Scheibe gebaut. Jede Weiterdrehung eröffnet dem Betrachter neue Blickwinkel und Einsichten in andere Teile der Stadt, andere Geschichten und Aspekte ihres Untergangs.

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Einzig eine Ansicht bleibt von jedem Punkt der Stadt aus dieselbe: Der Blick auf das Marstenhaus, jenes sagenumwobene alte Anwesen, von dem alles Übel ausgeht, dem sich der Betrachter (gleichsam den Einwohnern im Roman) jedoch nie wirklich nähert. Während die Schauplätze der – im Wortsinn - vielseitigen Stadt ständig wechseln, thront es als einziges Element der Szenerie unbeweglich auf seinem Berg im Zentrum, um auf jeden Winkel der Ortschaft herabzuschauen. Dabei bleibt der Betrachter über seine Geschichte, seine Geheimnisse sowie die Vorgänge in seinem Innern bis zum Ende im Unklaren. Sichtbar sind einzig Auswirkungen der von ihm ausgehenden schleichenden Invasion in den Straßen der Stadt, die (dreht man die Szenerie) allesamt auf das unheilvolle Zentrum zuzustreben scheinen. Auf diese Weise wird in meiner Darstellung das physisch, was die Bewohner von Jerusalem's Lot  intuitiv zu erfassen scheinen: Alles dreht sich um das Marstenhaus, alles führt zu ihm zurück.

Natürlich gibt es noch so einiges mehr zur Entstehung des Projekts, dem Darstellungsansatz sowie den inhaltlichen und technischen Details zu erzählen. Da dies an dieser Stelle aber zu weit führen würde, sind alle Interessierten wie immer herzlich eingeladen, einen Blick in die Ausführungen der WIP-Dokumentation zu werfen.

 

Alle anderen begrüße ich nun zur Galerie von »Nightfall in the Lot«:

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