Metropolis First Son - Work in Progress

 Bei den meisten meiner Schaffensprozesse ist der Zeitpunkt der Umsetzung für das Ergebnis mindestens ebenso entscheidend wie die Liebe zur Vorlage bzw. zum Projekt selbst. So hätte auch »Metropolis First Son« zu keinem früheren Zeitpunkt entstehen können – und dies, obwohl ich seit Jahr und Tag mit einer Adaption des Stoffes geliebäugelt und mich sogar einige Male an unterschiedlichen Entwürfen versucht hatte. Irgendwie fehlte meinen Konzepten jedoch bislang immer der letzte entscheidende Funke, weshalb das Vorhaben stets aufs neue in der mentalen Ideensammel-Schublade verschwand.

Erst mit dem Bau von Derry hatte ich schließlich die entscheidenden baulichen Techniken zur Hand, die es mir ermöglichten meine Grundidee einer gespaltenen Gesellschaft ein Gesicht zu geben:

 

1.) Die perspektivisch verzerrte Bauweise, mittels derer sich die Tiefenwirkung einer ganzen Stadt auf engem Raum zu erzeugen ließ sowie 

 

2.) das in die Bemalung integrierte künstliche Lichtspiel, über das sich die Stadt in ihr Licht- und Schattengesicht unterteilen ließ. (Einzelheiten zu beiden Techniken sind bereits genauer in der WIP-Dokumentation von Derry beschrieben, weshalb ich sie hier nicht weiter ausführe).

Viel schwerer wog jedoch, dass die Geschichte mit meinem Umzug nach Wien erstmals ein konkretes Gesicht und damit einen stilistisch-gestalterischen Fahrplan erhalten hatte. Viele der in »Metropolis First Son« verarbeiteten Details sind daher tatsächlich eins zu eins dem realen wiener Stadtbild entnommen, andere an Stil oder Idee an es gelehnt. Allem voran entspricht jedoch die goldene Lichtstimmung ziemlich exakt den Erinnerungen, die ich an meinen ersten Sommer in Wien habe.

Diese Grundoptik galt es nun mit dem Flair von Fritz Langs »Metropolis« zu verbinden, was ich (abgesehen von konkreteren Bildzitaten) vor allem durch zwei technische Kniffe bewerkstelligte: Die ringförmige Anordnung der Gebäude in zwei Reihen und ihre unterschiedliche Farbgebung. Während nämlich die vom Streiflicht beleuchteten, niedrigeren Gebäude der vorderen Häuserreihe deutliche neoklassizistische Züge tragen, zeichnen sich die sie überragenden Gebäude der zweiten Häuserreihe durch eine deutlich langgezogenere, geradlinigerere Bauweise und größere Fensterflächen aus. In Verbindung mit ihrer deutlich kälteren Farbgebung und den beleuchteten Fenstern sind vor allem sie es, die den Flair jener »retro-futuristischen« Kulisse transportieren, man ihn aus Langs Filmvorlage kennt.

Natürlich gäbe es noch viel zu den diversen Einzelheiten des Modells zu erzählen, den verbauten Anspielungen auf andere Werke Wildes oder der Art und Weise wie die kleine Schwalbe unmerklich ihren Weg in die kleinen Settings und Szenerien des Modells gefunden hat. Dies würde aber einerseits zu weit führen, und andererseits den Entdeckergeist bremsen. Denn schließlich sollen die Bilder von Präsentation und Baudokumentation ja nicht nur das zeigen, was der Leser eh schon weiß, sondern auch noch ein paar Überraschungen bereit halten.

Und damit auf zu den Bildern des Entstehungsprozesses im Work-In-Progress-Album: