A madman's tale - work in Progress

Nach den umfangreichen Arbeiten an »Welcome to Derry« soll das nächste Projekt nun zur Abwechslung einmal etwas kleiner ausfallen. Es bleibt abzuwarten inwiefern dieser hehre Vorsatz auch aufgeht, denn tatsächlich freue ich mich schon seit geraumer Zeit auf dieses reizvolle Szenario. Gegenstand der Umsetzung wird erneut ein Thriller sein – allerdings eher psychologischer denn monströser Natur:

 

John Katzenbachs »The Madman's Tale« / »Die Anstalt« in der deutschen Übersetzung.

 

Es handelt sich dabei einen Roman, dessen Thema und Erzählperspektive mich von der ersten Seite an so fasziniert und berührt hat, dass mir sofort klar war, ihn in irgendeiner Form einmal umsetzen zu wollen: Die Geschichte eines Schizophrenen, erzählt auf zwei Zeitebenen, in dem der Autor die Grenzen zwischen der Erinnerung und dem schizophrenen Wahn seines Erzählers zunehmend verschwimmen lässt. Da ich davon ausgehe dass nicht alle der hier versammelten Leser mit der Vorlage vertraut sind, anbei eine kurze Zusammenfassung:

 

Vor zwanzig Jahren ist Francis Petrel als junger Mann gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Er hatte seinen ersten massiven schizophrenen Schub. Mehrere Jahre brachte er dort zu, bis die Anstalt nach einer Mordserie geschlossen wurde.
Heute im mittleren Erwachsenenalter lebt Francis zurückgezogen in einem schäbigen Apartment. Er nimmt Medikamente, die früher allgegenwärtigen Stimmen hört er zumeist nur noch gedämpft. Eine Einladung zu einem Ehemaligentreffen bringt die Erinnerungen an jene längst vergrabene Zeit in »der Anstalt« erneut an die Oberfläche.
Überwältigt von Schatten seiner Vergangenheit beginnt Francis aufzuschreiben, was er damals erlebt hat: mit Bleistift, auf den Wänden seiner Wohnung, Zeile um Zeile, Wand um Wand.

 

Und während er schreibt verliert er erneut seinen so mühsam erkämpften Bezug zum Hier und Jetzt. Er vergisst seine Medikation und die vermeintlich gebändigte Krankheit schafft sich erneut Raum. Mit den Erinnerungen kommen die Stimmen und mit den Stimmen die Geister der Vergangenheit. Doch Francis schreibt weiter. Schreibt seine eigene Geschichte, in der er sich als verängstigter junger Mann unverhofft aus seinem alten Leben gerissen, weggesperrt und mit furchtbaren Ereignissen konfrontiert sieht. Er schreibt während seine Stimmen leibhaftige Gestalt annehmen, alte Feinde ihn umringen und längst vergangene Freunde ihn trösten. Er schreibt um sein Leben.

 

Mit der Umsetzung dieses ungewöhnlichen Thrillers wage ich mich also erstmals an ein psychologisches Thema heran, steht der Roman doch bei allen Thriller-Elementen rundum unter dem Oberthema der Schizophrenie. Sehr überrascht hat mich daher bei der Konzeptentwicklung die Erkenntnis, dass sich auch diese abstrakte Thematik hervorragend in dem mir so lieb gewonnene Darstellungsansatz interpretieren lässt: Welten auf unterschiedlichen Ebenen.
Der einzige Unterschied: Während die Ebenen meiner bisherigen Modelle oberirdische und unterirdische Bereiche unterteilten (also verschiedene Bereiche eines physischen Raums sichtbar machten), soll soll dieses Modell verschiedene Ebenen der Realitätswahrnehmung darstellen, also ein »Davor« und ein »Dahinter« der Wahrnehmung abbilden.

 

Das klingt nun sehr abstrakt, ist aber gar nicht so kompliziert gemeint:  In der Umsetzung wird der Aufbau des Modells so aussehen, dass als Hauptsetting nur ein Raum dargestellt wird: Francis' Apartment in all seiner Schäbigkeit - mit Francis selbst vor der Wand, schreibend. Nur dass sich diese Wand vor Francis wie ein Strudel tunnelartig öffnet und den Blick auf die Vergangenheit dahinter freilegt – das Anstaltsgelände. Es gibt somit auch wieder zwei Ebenen: das Jetzt (vorne) in Francis Wohnung, und die Erinnerung hinter der Schrift bzw. Wand. Tja, und was die »Geister der Vergangenheit« angeht: Da sich Francis' Stimmen nun einmal schlecht visuell darstellen lassen, werde ich hier stattdessen auf ein Schattenspiel ausweichen: Ausgehend von der Lichtquelle hinter der Wand wird Francis selbst Schatten-Silhouetten auf die gegenüberliegende Wand seines Apartments werfen - allerdings eben nicht nur seine eigene.

 

Soweit der Plan – und damit zur Umsetzung :)